21.02.2012, Mühlacker -
Quelle:
Dieter Buck, Ausflugsziel: Stromberg-Heuchelberg, 2. Auflage 2006
Silberburg-Verlag, Tübingen.
ISBN-13:978-3-87407-547-3
Enzberg – Kieselbronn – Bretten – Knittlingen – Maulbronn – Ötisheim – Enzberg
Dass der Kraichgau sehr hügelig ist – er wurde auch schon mit der Toskana verglichen –, merkt man an dieser Radtour. Da sie aber auf Landsträßchen verläuft, rollt es sich gut. Unterwegs suchen wir einige geschichtsträchtige Orte auf – zum Beispiel Bretten, Knittlingen und Maulbronn. Bekannt sind auch die von hier stammenden Weine, erwähnt sei nur das Weinbaugebiet »Eilfinger Berg« westlich von Maulbronn.
Ausgangspunkt:
Enzberg.
Wegverlauf:
Wir fahren auf der Durchgangsstraße nach Nordwesten aus dem Ort hinaus.
Enzberg (251 m) Der Ort war früher Sitz der Grafen von Enzberg. Die Burg und das ehemals befestigte Städtchen wurden 1384 von Pfalzgraf Ruprecht zerstört. Früher war ein Viertel des Ortes im Besitz des Klosters Maulbronn. Im Mittelalter umgab eine Mauer das Dorf.
Die evangelische Kirche ist ein einfacher Saalbau von 1832. 1145 wurde an dieser Stelle bereits eine Kapelle erwähnt. Die Altarwand stammt von Rudolf Yelin (1963); das Kruzifix ist um 1510 entstanden.
Das Rathaus, ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude, wurde 1713 errichtet. Neben dem Rathaus steht die Kelter, sie wurde 1797 erbaut. Den beiden Gebäuden gegenüber steht das so genannte Schlösschen, ein dreigeschossiges Fachwerkhaus von 1583. Die Zehntscheuer, Dr.-Simon-Straße 5, wurde 1609 errichtet.
Eine lang gezogene Steigung bringt uns nach Kieselbronn. Hier geht es gleich nach rechts steil hinab nach »Dürrn«. Beachten sollten wir die zahlreichen Fachwerkhäuser des Dorfes. In Dürrn biegen wir an der Kirche nach rechts, dann gleich wieder nach links in die Friedenstraße ab. Nun geht es auf einem Landsträßchen nach Ölbronn, einem Ort mit stattlichen Häusern. Hier orientieren wir uns links nach »Knittlingen«.
Ölbronn (264 m) Als Erlenbrunnen 1244 erstmals erwähnt, gehörte der Ort schon sehr bald ausschließlich dem Kloster Maulbronn. Eine schlimme Zeit war das 17. und 18. Jahrhundert; so töteten beispielsweise kroatische Soldaten über 500 Einwohner und in den Franzosenkriegen wurde Ölbronn mehrfach zerstört. Bei der Auswanderungswelle in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entschlossen sich fast 600 Einwohner zur Auswanderung nach Amerika.
Vor der Kirche biegen wir nach rechts, wieder in Richtung »Knittlingen« ab. Wir radeln nun ein Stück neben der Bahnlinie her und überqueren diese dann. Kurz danach, bevor wir nach Kleinvillars kommen, biegen wir nach links ab. Es geht nun im Tal der Salzach auf dem Radweg nach Ruit und dort weiter auf der Landstraße nach Bretten.
Hier folgen wir den Schildern zur »Stadtmitte« beziehungsweise zum »Zentrum«. In Bretten sollte man auf jeden Fall einen Halt einlegen und den sehenswerten Ort besichtigen (siehe Seite 158). Anschließend verlassen wir die Stadt wieder, hierzu können wir uns an der Beschilderung nach »Knittlingen « beziehungsweise »B 35« orientieren.
Neben der Bundesstraße verläuft ein Radweg, bis wir nach links nach Knittlingen abbiegen. Die Straße umfährt den alten Ortskern zum Teil, wir folgen ihr, bis wir das Faustdenkmal sehen. Hier sollten wir nach rechts in das alte Zentrum hineinfahren und es besichtigen (siehe Seite 101).
Anschließend folgen wir der Beschilderung in Richtung Maulbronn, kommen zur Bundesstraße und fahren dort wieder auf dem Radweg links daneben. Schließlich geht es nach links von der B 35 ab. Wer noch Lust hat, fährt bis zum berühmten Kloster und besichtigt dieses (siehe Seite 164).
Ansonsten biegen wir kurz nach dem Ortsanfang nach rechts ab Richtung »Ötisheim«. Nach der Unterquerung der Bundesstraße halten wir uns links und kommen einige Zeit später in jenen Ort, der mit seiner hoch auf dem Hügel liegenden Kirche und dem alten Zentrum mit den Fachwerkhäusern noch zu den unentdeckten Perlen der Gegend gehört.
Ötisheim (247 m) Der Ort ist eine frühe Gründung der Alamannen (3.–5. Jahrhundert). Erstmals erwähnt wurde er bereits 783, so steht es in einer Oberamtsbeschreibung von Maulbronn. 1177, bald nach der Klostergründung, konnten die Maulbronner Mönche den Ort von den Herren von Enzberg in ihren Besitz bringen. Früher war er ummauert und mit Wassergraben, Wall und Toren geschützt. 1504 kam er an Württemberg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde er fast vollständig zerstört. Ötisheim brannte nochmals im Jahr 1692 ab, als der französische General de Lorge ein württembergisches Korps unter dem württembergischen Herzog-Administrator Friedrich Karl überrumpelte und gefangen nahm. Rathaus, Kirche und Pfleghof blieben aber erhalten. Fünf Jahre später sollen nur noch neun Bewohner hier gelebt haben. Danach wurden Waldenser angesiedelt.
Die evangelische Michaelskirche war ehemals stark befestigt, ihr ältester Teil ist der mächtige Chorturm. 1908 wurde der Bau nach Plänen von Heinrich Dolmetsch erweitert und umgebaut. Innen sind Fresken von etwa 1440/50 erhalten. Das Altarkreuz stammt aus dem Barock, sehenswert ist auch das Epitaph von 1731.
In dem malerischen Ort gibt es einige bemerkenswerte Fachwerkhäuser: unter anderem der Pfleghof des Klosters Maulbronn, die Kelter von 1559, Schöneberger Straße 13, das Pfarrgehöft (18. Jahrhundert), das Alte Rathaus aus dem 17./18. Jahrhundert, das Gebäude Maulbronner Straße 30 (1456/57), ein Fachwerkhaus in Firstständerbauweise (1456/57) oder das Bauernhaus (1484/85), Maulbronner Straße 31. Auch die Skulptur »Am Plätzle« auf dem neu gestalteten Marktplatz sollte man beachten.
Kurz nach dem links der Straße liegenden Zentrum biegen wir rechts ab in Richtung »Enzberg«. Es folgt schließlich eine letzte Steigung, dann geht es hinab zum Ausgangspunkt.
Länge:
Etwa 38 Kilometer.
Zeit:
Etwa 3 bis 4 Stunden.
Höhenunterschied:
Etwa 200 Meter.
Sonstiges:
Die Fahrt verläuft auf Landsträßchen, teilweise kann man auf parallel laufende Rad- oder Wirtschaftswege ausweichen.
Öffentliche Verkehrsmittel:
Bahnstation.