19. Mai 2012

Parkhaus am Bahnhof

Entwicklung zum modernen Verkehrsknotenpunkt

21.02.2012, Wiesloch - „Vom Hinterhof zum modernen Verkehrsknotenpunkt" 


Es war am 2. März 1902, als Walldorf zusammen mit der Einweihung der Pferdebahn zum Staatsbahnhof Wiesloch-Walldorf seine von Großherzog Friedrich I. am 2. September 1901 verliehenen Stadtrechte feierte. Damals erklärte der Landeskommissär aus Mannheim, dass mit der Verbindung der beiden Pferdebahnen, jeweils von Wiesloch und Walldorf „die alte Feindschaft über den Bahndamm" überwunden sei. Über ein Jahrhundert später sind die Zwistigkeiten zwischen der Astorstadt auf der westlichen und der Weinstadt auf der östlichen Seite des Bahndammes längst überwunden. Meilenstein auf dem Weg des „Zueinanders" war sicherlich der Spatenstich im April 2003, mit dem Walldorfs Bürgermeister Heinz Merklinger und Wieslochs Oberbürgermeister Franz Schaidhammer die Weichen für das S-Bahn-Zeitalter stellten sowie die Einweihung des Stegs über den Bahnhof und Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen Wiesloch und Walldorf, unterzeichnet am 25. Juli 2005 von Schaidhammer und Merklinger. Ein weiterer Meilenstein war die Einrichtung von 58 IC/ICE-Stopps für den Bahnhof Wiesloch-Walldorf ab Dezember 2008 und mit dem Richtfest für das Parkhaus am Bahnhof gab es wieder einen wichtigen Meilenstein. Als Nachfolgerin von Heinz Merklinger und seines Stadtbaumeisters Dieter Astor begrüßte Walldorfs Bürgermeisterin Christiane Staab die Gäste „im künftigen Parkhaus", um ein Richtfest zu feiern, dass zwar „über kein traditionelles, von Zimmerleuten geschaffenes Dach verfügt", aber „als Etappe unseres zweiten Bauabschnitts am Bahnhof verdient, gebührend gewürdigt zu werden". Das Doppelzentrum Wiesloch-Walldorf habe sich mit dem Ausbau des gemeinsamen Bahnhofs eine Schlüsselaufgabe gestellt, für die die Anbindung an die S-Bahn Rhein-Neckar den ausschlaggebenden Impuls gab", betonte Staab. Aus dem Bahnhof an der Peripherie der beiden Städte, der damals oft als „Hinterhof" – wenn nicht als Schlimmeres – bezeichnet wurde, sei inzwischen ein stark frequentierter, zeitgemäß gestalteter Verkehrsknotenpunkt geworden. Mit dem modernisierten Bahnhofsgebäude mit Bahn-Schalter, Buch- und Zeitschriftenhandlung sowie Bäckerei seien wesentliche Fahrgastwünsche erfüllt worden. Mobilität erfordere aber auch die verschiedensten für den Weg zum Bahnhof zu nutzenden Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen. Deshalb „kommt diesem Parkhaus eine Schlüsselfunktion zu", denn wer mit dem Auto kommt, könne witterungsgeschützt einen Dauerparkplatz mieten und trockene Fußes zum Zug gelangen.

Direkte Anbindung
 
Wer mit dem Bus komme gelange vom Zentralen Busbahnhof auf der obersten Parkhausebene direkt über den Steg und die Treppen bzw. Aufzüge zu den Bahnsteigen. Neben dem Parkhaus werde es noch weitere ebenerdige Parkplätze sowie ein eigenes Parkhaus für Fahrräder geben. Mit dieser fahrgastfreundlichen Infrastruktur hoffe man, so Staab, noch mehr Pendler überzeugen zu können, auf das Auto zu verzichten und auf die umweltfreundlichere Bahn umzusteigen, denn „als Region mit bedeutenden Unternehmen und entsprechend hoher Zahl an Arbeitsplätzen bedeutet dieser Ausbau des Bahnhofs einen ganz wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz". Bürgermeisterin Staab wies aber auch darauf hin, dass sich der Name des Zweckverbandes Bahnhof Wiesloch-Walldorf inzwischen auf Zweckverband MetropolPark Wiesloch-Walldorf geändert habe, denn „unser Blick richtet sich verstärkt auf das Bahnhofsumfeld, den MetropolPark, in dem sich bereits attraktive Firmen angesiedelt haben." Dank des Parkhauses gewinne man wertvolle, bisher als Parkflächen dienende Flächen für Ansiedlungen zurück. Mit ihrem Dank an Altbürgermeister Merklinger, „dem das Thema Bahnhof ein Herzensanliegen war", und Walldorfs früheren Stadtbaumeister Dieter Astor, „der viele Jahre die Geschäftsführung des Zwecksverbands mit Passion ausübte", übergab Staab das Mikronfon an den Architekten Wolfgang Kessler.

Bauwerk in drei Bausteinen
 
„Das Bauwerk, dessen Richtfest wir heute feiern, setzt sich aus drei Bausteinen zusammen", erklärte Kessler; „für sich genommen drei gewohnte Bauaufgaben: Hochgarage - Omnibusbahnhof - Überdachung. Doch außergewöhnlich wird dieses Vorhaben durch seine Größe und Stapelung der einzelnen Bausteine, aus denen sich dieses Projekt zusammensetzt." Das zweigeschossige als Stahl-Stahlbetonverbundkonstruktion errichtete Parkhaus mit ca. 265 Stellplätzen (davon 8 behindertengerecht ausgeführt) diene als Sockel für den Busbahnhof (ZOB) auf der oberen Ebene, die eine Verbindung zur Walldorfer Straße sowie zum Fußgängersteg über die Bahngleise herstellt. Der Witterungsschutz für die Fahrgäste des ZOB werde durch einzelne Überdachungen in Stahlkonstruktion für die fünf Bussteige gewährleistet. Wichtig dabei sei, so Kessler, dass ein Hauptaugenmerk „hier auf die Vermeidung von Angsträumen durch ausreichende Beleuchtung sowie auf Vermeidung von Vandalismus gelegt werde." Als dritter Baustein werde ein ca. 100 Meter langes Membrandach als textile Dachkonstruktion den Fußgängersteg und die Bussteige des ZOB überspannen, und „markiert eine Passage, die dem regengeschützten Fußgängerverkehr zwischen den Haltestellen der Busse und der Bahn dient". Kessler wies auch darauf hin, dass „wir an einem ungewöhnlichen Ort, neben und über der Bundesbahn" bauen, wobei „die Klarheit und Einfachheit im Konzept der Gesamtanlage sich im Detail dann doch komplizierter und vielfältiger darstellt". Auch die Zeit, in der das Membrandach gebaut werden kann, sei außergewöhnlich, denn „die Deutsche Bahn gestattet den Aufbau des Daches über den Gleisen nur in einem eng gesteckten Zeitkorridor, nachts zwischen 0:35 und 4:10 Uhr", da dann der Strom der Oberleitungen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet und die Strecke gesperrt werden müsse. In seinen Dankesworten, in denen Kessler die am Projekt beteiligten Firmen und Personen würdigte, erwähnte er auch, dass „wir den Kampfmittelbeseitigungsdienst einschalten und mit schwierigen Bodenverhältnissen umgehen mussten". Danken wollte er „auch dem Wettergott, der den Bauablauf bis auf die letzten Wochen enorm begünstigte", und damit hoffe er, „dass uns insbesondere der Gott des Windes Ende Mai beim Einschwenken des Membrandaches über den Gleisen wohl gesonnen ist".

Wohlgesonnen schien der Wettergott dem Projekt bereits an diesem Nachmittag zu sein, denn bei Hochziehen der Richtkrone und des Richtspruchs durch Andreas Blanck, Polier des Unternehmens Dupré, legte der Nieselregen eine Pause ein.  

hen/Fotos: KHP
Weiterführende Inhalte
  • Wiesloch/Walldorf: Richtfest des Omnibusbahnhofs
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